Mein persönlicher Schlafraum-Traum ....


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Traumtag




 

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Und so geht mein Traumschlaf in einen Traumtag über.....

Lieber Tag!
vor ein paar Minuten ist die graurote Türe hinter dir zugefallen. Die Farben und die Lichtpinsel sind im Himmelslieferwagen verstaut, und ich sehe dich am Ende des Horizonts scharf nach unten biegen.

Es gibt Gäste, da ist es eher lästig, wenn sie regelmäßig kommen - bei dir aber ist das anders: dich würd ich am liebsten gar nicht mehr fortlassen. Doch es beruhigt zu wissen, dass du morgen wieder da sein wirst. Pünktlich und immer mit einem kleinen Geschenk. Oft ist es nur ein einfacher Wolkenstrauß, eine Flasche Regenduftwasser oder eine Tüte Taubonbons.

So stehst du an der Tür und wartest. Lasse ich dich sehr oft warten?

Verzeih mir, aber der Traum sitzt dann noch an meinem Bett und ist so schwer rauszukriegen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, glaub mir, weil ich weiß, dass du inzwischen im Garten sitzt und dir leise mit den Vögeln und den Schatten die Zeit vertreibst. Bäume frisieren, Grashalme bügeln und reiselustige Früchte beruhigen. Zwischendurch löscht du die Straßenlaterne, füllst Vorstadtzüge und drehst den Lärm auf volle Lautstärke.
Du willst mir wohl zeigen, was man schon früh am Morgen alles leisten kann. Willst, dass ich mich auch zur Arbeit setze, um die Minuten zu sammeln, die du verteilst. Tue ich ja! Ich setze mich unter den Baum und schaue dir zu. Wundere dich also nicht, wenn meine Augen und meine Ohren und die Nase lieber mit der Zeit spielen, als sie in eine Stundenuniform zu stecken, damit sie mit Zahlen und Zeigern marschieren.

Gemütlich dampfen Wolkenzüge vorüber, im Gepäckwagen einen ganzen Zoo mit wunderlichsten Tieren. Und wenn dir das nicht mehr gefällt, überpinselst du einfach alles wieder blau und lässt dafür einen Vogelsolotänzer ins Bild schweben. Du wirbelst umher wie ein Artist, der tausend Teller in Bewegung hält. Wie schaffst du  das? Bemerkst sogar das Blatt, das für einen Mittagswind sein bestes Kleid gewählt hat. Eine kurze Handbewegung, und die beiden promenieren in Richtung Stadt.

Was ist dort für Aufregung auf dem Wiesenfleck? Ein falsch geparktes Schneckenhaus verstellt den Ausgang von Wurms Kellerlokal. Frau Käfer, Hausmeisterin und Wichtigtuerein, schiebt und zerrt am flotten Gehäuse. Gescheite Ratschläge, kleine Beingreiflichkeiten, lautes Gesumm. Da öffnet sich der Grasvorhang des Bräunungsstudios im Nachbarhaus und heraus tritt Fräulein Schnecke - splitternackt!

"Skandal" ruft gleich Frau Käfer. Herr Wurm sucht nach der Brille, und ein paar schwarze Blattläuse machen verschämt die Augen zu. Zum Glück biegt nun ein Ameiseninspektor um die Ecke und sorgt schnell für Ruhe und Ordnung.

Jetzt sollte ich aber doch an meine Arbeit gehen! Oder soll ich sie auf morgen verschieben? Doch da lockst du mich in die nächste Ausstellung deiner Werke. Im Atelier der Nacht hast du bereits die nächste Serie Bilder fertiggestellt und wirst sie an alle Orte bringen, zu denen die Sinne spazieren.

Da hängen üppige Gemälde neben dunkelgrauen Perioden, Wirklichkeiten neben deiner Coladose im Sand.

Gib zu, dass dir die Rolle des Verwandlungskünstlers selber Vergnügen bereitet! Wie es dich freut, mich jedes Mal aufs Neue mit irgend etwas zu überraschen! Du stehst lachend da und bist glücklich wie ein kleines Kind, nur mit dem Finger schnipsen zu müssen, und schon sind tausend Dinge herbeigezaubert: Geräusche, Regen, Gefühle, alles durcheinander. Jeder soll seine Freude haben. Und du lehnst am Baum und schaust zu!

Aber zum Glück wirst du auch mal müde - nicht nur deine Kunden. Die Schatten werden länger, die Farbe geht dir langsam aus, der Lichtpinsel haut auch nicht mehr so recht hin, und die Sonnenpolitur verliert ihren Glanz. Manche Stimmen werden lauter, manche leiser. Du bleibst bis zur letzten Minute. Es fällt dir schwer, den Garten zu verlassen. Dann musst du rennen. Heute warst du in solcher Hektik, dass dir ein Topf roter Farbe aus dem Wagen fiel - dem Mond mitten ins Gesicht! Ein herrlicher Anblick, sicher auch für Freundin Nacht, die nun für ein paar Stunden was zu lachen hat.

Dann bist du endgültig fort, Tag. Das heißt, nur für die Augen. Nun spazieren die Gedanken los, erinnern sich, lachen oder ärgern sich, je nachdem, was du ihnen versprochen hast.

Und bevor ich dem schon heftig klopfenden Traum öffne, denke ich, wie herrlich es ist, dich jedes Mal wieder sehnsüchtig zu erwarten und auf Entdeckungsreisen nach deinen leisen Botschaften zu gehen ...

Bis morgen! Dein Märchen

(Aus dem wunderschönen Buch von Folke Tegetthoff: Märchenbriefe)
 

 

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